Kunst und Künstler - verhalen

Van Gogh und Co. in Drenthe

So mancher Künstler erkannte schon vor langer Zeit den Reiz Drenthes und versuchte, dem Publikum den Landstrich nahe zu bringen. Das Auge des Künstlers sah, was anderen verborgen blieb: „… schwermütige Schönheit, Oasen des Malerischen, eine Fülle feiner Grautöne, Schlichtheit und Erhabenheit, Melancholie und Drama, eine geheimnisvolle Stille, die das Herz beklemmt.“ Im Laufe der vergangenen 250 Jahre suchten viele Maler Drenthe auf, um seine besondere Schönheit auf die Leinwand zu bannen. Dabei nahmen sie einiges Ungemach auf sich, um eine besonders knorrige Eiche, einen uralten Hof, den einsamen Hirten, die düsteren Wolken, die unzähligen Grauschattierungen und die mysteriöse Stimmung eines Hünengrabs festzulegen. Heutzutage begegnen Künstler der Welt auch auf andere Weise: Statt nur zu registrieren, was sich in der Natur abspielt, arbeiten sie oft mit der Natur, erschaffen Kunstwerke in der Natur aus natürlichen Materialien. Dies alles und noch viel mehr entdecken Sie in den Geschichten von Kunst und Künstlern auf dem Hondsrug.

Die erste Welle – Die Tapetenmaler des
18. Jahrhunderts

Das Bedürfnis, in die Ferne zu schweifen und Inspiration in der freien Natur zu suchen, kam in den Niederlanden früher auf als andernorts. Im 17. Jahrhundert zog es Maler wie Ruysdael und Hobbema bereits aufs Land, doch erst im 18. Jahrhundert rückte auch Drenthe ins Blickfeld. Der Tapetenmaler Egbert van Drielst besuchte ab 1772 (manchmal jedes Jahr) den Hondsrug, insbesondere den Ort Eext. Er wurde durch Drenthe berühmt und viele Kollegen folgten seinem Beispiel. Ihnen verdanken wir Darstellungen einfacher Bauerndörfer und ihrer Bewohner in diesem entlegenen und ansonsten nur wenig auffälligen Winkel.

Egbert van Drielst, Landstraße zwischen Zuidlaren und Anloo

Die Maler kommen – Der Zug aufs Land im
19. Jahrhundert

Ab 1850 zog es unsere Maler aufs unverfälschte Land. Künstler kehrten den lärmenden, überfüllten Städten, der Armut der Fabrikarbeiter und der streng reglementierten Klassengesellschaft den Rücken zu. Sie suchen das reine, unverdorbene Leben und fanden die Natur und die einfachen Leute vom Lande. Drenthe empfand man als besonders pur, „vierge“ – jungfräulich, wie Vincent van Gogh es nannte. Große und kleinere Künstler aus dem In- und Ausland besuchten den Hondsrug, um alle Aspekte dieser „Jungfräulichkeit“ festzuhalten. Viele Hunderte waren es und alle haben ihre Impressionen der Nachwelt erhalten.

Schäfer mit seiner Herde

Nicht nach, sondern mit der Natur – Kunst nach 1969

Die Natur in all ihren Facetten festzulegen, bleibt eine Herausforderung für einen Künstler. Nach 1969 jedoch versuchte man auch auf andere Weise mit der Natur in Kontakt zu kommen. Anlässlich der Ausstellung „Sonsbeek buiten de Perken“ (Sonsbeek sprengt die Grenzen), in der Kunstwerke die Räume des Museums verließen, schuf Robert Smithson nahe Emmen „Land Art“. In Broken Circle, Spiral Hill kam die Natur selbst zum Einsatz. Das Werk wurde weltberühmt und viele Künstlerkollegen nach ihm machten die Natur des Hondsrug zum Hauptakteur ihrer Arbeiten. Auch andernorts finden sich im Hondsruggebiet viele moderne Skulpturen. Ein schönes Beispiel der Landschaftskunst ist der Gebrochene Kreis bei Yde, der an den Fund der Moorleiche von Yde erinnert.

Mental Map, Petra Boshart, Landschaftskunst bei Exloo

Literatur

Der raue Charakter des Hondsrug führte nur zu wenigen literarischen Blüten. Meisterwerke wie Emily Brontës Sturmhöhe sucht man hier vergebens. Was der Landstrich jedoch hervorbrachte, sind Appleknockers Flophouse von Cuby and the Blizzards, Bartje von Anne De Vries oder das Kinderlied Berend Botje, die die Drenther, wenn nicht gar niederländische Seele, eindrücklich in Worte fassen. Das Buch Zien broed verloren von Harm Tiesing weist Parallelen zu den Schriften von Thomas Hardy auf, ist außerhalb der Provinzgrenzen allerding kaum bekannt.

Bartje (Suze Boschma-Berkhout – 1954).

Plattencover „Groeten uit Grolloo“ (Cuby + Blizzards – 1967)

 

Van Gogh Huis

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