Natur - verhalen

Eine große Bandbreite

Natur im Hondsruggebiet – ein schwer zu umreißender Begriff. Denn der Mensch hat hier im Grunde überall und immer seinen Einfluss ausgeübt. Wie sah das Hondsruggebiet aus, bevor Menschen hierher kam? Was war unsere „Urnatur“? Große Teile Drenthes waren einst von dichtem Wald bedeckt, andernorts wuchs undurchdringliches Gebüsch. Aber es gab auch offene Flächen mit Gras, Heide und vereinzelten Bäumen. Die meisten Wälder sind verschwunden, als Menschen den Boden kultivierten, um sich als Bauern niederzulassen. Seitdem ist die Landschaft des Hondsruggebiets von der einzigartigen Wechselbeziehung – mal pragmatisch, mal kreativ, oft auch destruktiv – zwischen Mensch und Natur geprägt, bis zum heutigen Tag.

Wälder

Nur gelegentlich sind im Hondsruggebiet Überreste alter Wälder zu finden. Meist findet man sie am Ende von Eschfluren in Dorfnähe oder am Rand von Heideflächen. Doch die Mehrheit der Wälder in Drenthe ist nicht älter als 100 Jahre. Und alle sind von Menschenhand geschaffen… Bei den meisten hiesigen Waldgebieten handelt es sich um Aufforstungen aus der Zeit, als vor rund 100 Jahren die Heideflächen urbar gemacht wurden. Diese Forste waren wahre „Baumäcker“. Viele werden jetzt immer artenreicher, weil man spontan entstandene Jungpflanzen stehen lässt, damit sie große Bäume sind.

Eine alte Eiche

Seen und Tümpel

Das Zuidlaardermeer ist der größte See im Hondsruggebiet, aber auch andernorts findet man in den Niederungen größere und kleinere Stillgewässer, wie Pingoruinen. Oft sind es sumpfige Tümpel, in denen das Wasser stehen bleibt und sich eine besondere Vegetation und Moor entwickelt.

Wenn man nicht eingreift, wachsen solche Wasserflächen zu oder verlanden. Das nährstoffreiche Wasser sorgt dafür, dass die Wasserpflanzen große Flächen bedecken. Das lässt sich verhindern, indem man den Wasserhaushalt überwacht und die Seen regelmäßig reinigt.

Eine Pingoruine

Moore

Vor rund 12.000 Jahren, das heißt, nach der letzten Eiszeit, bildeten sich in Drenthe Moore. Die Temperatur stieg an und die Vegetation, die während der Kältezeit zurückgedrängt worden war, kehrte zurück. Die Täler wurden immer nasser und in den niedrigen Teilen entstanden Moorflächen, so genannte Niedermoore.

Torfmoose entwickelten sich so gut, dass es an vielen Stellen im Laufe der Zeit über den Grundwasserspiegel wuchs und sich Hochmoore bildeten, denen mineralarmes Regenwasser reicht, um weiter zu wachsen. Nach einiger Zeit wuchsen die Hochmoore sogar die Hänge des Hondsrug und anderer Geestrücken hoch, bis sie große Gebiete bedeckten.

Fast alle Moorflächen nutzte der Mensch in der Vergangenheit, um Torf zu stechen. Auch die großen Moore wurden weitestgehend kultiviert. Viele Moorflächen waren durch die Absenkung des Grundwasserspiegels und sich ausbreitende Weiden und Birken vom Untergang bedroht. Zum Glück ist in den letzten Jahren viel in Sachen Naturschutz geschehen, um die verbliebenen Drenther Moorstücke zu erhalten.

Das Bargerveen (Foto: Willy Zomer)

Heide

Die Heideflächen Drenthes sind zu einem wesentlichen Teil von Menschenhand geschaffen. Besser gesagt: nicht von Menschenhand, sondern von Schafsmaul – denn ohne Schafe, keine Heide. Im Laufe der Zeit beweideten immer größere Herden die Heide. Ihr Dung war für die traditionelle Landwirtschaft in Drenthe unabdingbar. Wer mehr anbauen wollte, brauchte einfach mehr Schafsdung. Die einzige Pflanze, die sich unter solch kargen Bedingungen halten kann, ist die Heide.

Im 20. Jahrhundert wurde die Schafhaltung durch die Verwendung von Kunstdünger überflüssig. Innerhalb weniger Jahrzehnte wurden die meisten Heideflächen kultiviert und es wuchsen Pflanzen und Bäume, die unter der Schafhaltung keine Chance hatten.

Wenn Naturschützer sich nicht um die Heide kümmerten, würden alle Heideflächen in Drenthe über kurz oder lang Urwälder werden, wie vor Tausenden Jahren. Wer die Heide erhalten will, muss es machen wie die Drenther Bauern früher – sie mit Schafen und Rindern beweiden…

Der Schafspark

Bäche

Mit der Drentsche Aa hat das Hondsruggebiet den wohl schönsten Bach der Niederlande zu bieten. Ein weitverzweigtes Geflecht von malerischen Rinnsalen, die sich stromabwärts zu einem breiten Bach vereinen, der durch das weite Urstromtal Richtung Groningen fließt. Als in den 1950er- und 60er-Jahren nahezu alle anderen Bäche in Drenthe für die Landwirtschaft begradigt wurden, blieb die Drentsche Aa wie durch ein Wunder verschont.

In den 1990er-Jahren wurde immer mehr Menschen bewusst, wie sehr man den Fließgewässern geschadet hatte. An vielen Stellen entlang von Drentsche Aa, Hunze und Runde sowie um das Loodiep und das Drostendiep wurden Millionen Euro für die Renaturierung der Bäche investiert. Alte Mäander wurden wiederhergestellt und Deiche an den Ufern entfernt, um die Bäche gelegentlich über die Ufer treten zu lassen.

Das Amerdiep, ein malerischer Bach in Drenthe

Kulturland

Natur und Menschenhand, beide sind im Hondsruggebiet eng miteinander verwoben. Man sieht das auf den Feldern ebenso wie im Grünland des Urstromtals. Jahrhundertelang war das Kulturland in Drenthe ein gemeinsames Produkt von menschlichem Handeln und natürlichen Einflüssen.

Im Laufe des 20. Jahrhunderts erhielten Landwirte durch die Flurbereinigung die für die moderne Landwirtschaft benötigten großen Felder. Auch Wallhecken verschwanden, weil man mit dem Trecker möglichst ungehindert manövrieren wollte. Auf solchem Land war kein Platz mehr für Kornblumen und wilde Kamille. Zum Glück hält die Natur langsam wieder Einzug in das Kulturland des Hondsruggebiets. Erkunden Sie doch einmal die Hondsrugdörfer. Wetten, dass Sie wie früher Kornblumen an den Rändern der Felder entdecken? Und mit ein wenig Glück begegnen Sie vielleicht auch einem Rebhuhnpaar.

Moderne Landwirtschaft auf dem Hondsrug

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