Wandelen - routes

Das Eiszeitenarchiv im Boden von Vries

  • 13,5 km
  • 3 Stunden

Dieser Rundwanderweg bringt Sie zu Stellen, an denen der Boden unter Ihren Füßen die Geschichte der Landschaft verrät. Entdecken Sie Vries von Grund auf! Das Gebiet ist Teil des Geoparks de Hondsrug. Der Weg führt an nummerierten Infotafeln vorbei. Die große Infotafel am geologischen Denkmal informiert Sie über die eiszeitliche Geologie.  Eine ausführliche Wegbeschreibung erhalten Sie beim TIP, Schultestraat 4 in Vries, und beim TIF, Herberg Het Wapen van Vries, Oude Rijksweg 1.

Sand aus dem Urfluss Eridanus

So hoch und trocken in Vries kann man sich kaum vorstellen, dass man hier früher keinen Boden unter den Füßen hatte, denn einst war hier Wasser. Vor 12 Mio. Jahren floss der Eridanus vom Osten nach Westeuropa. Der Sand des Eridanus lagerte sich in Millionen Jahren am Rand der Nordsee in einem Delta ab. Der Norden der Niederlande erhob sich aus dem Wasser…  Unterwegs finden Sie am Oosterwaterweg weißen Sand am Grabenufer, den der Eridanus mit sich führte. Noch heute wird dieser Sand in Drenthe in großen Sandgruben abgebaut.

Eiszeiten zum Anfassen

Geologen gehen davon aus, dass skandinavisches Inlandeis die nördlichen Niederlande erstmals in der Elster-Eiszeit bedeckte. Das ist rund 475.000 Jahre her. Zu sehen ist das beim geologischen Denkmal, eine zwei Meter hohe Sandgrabung. Das Bodenprofil zeigt die Spuren der letzten drei Eiszeiten in unserem Boden. Das Schmelzwasser der Elster-Eiszeit brachte die unterste Schicht hagelweißen Sand her.

Geologisches Denkmal bei Vries

Hügel und Täler

Nach der Elster-Eiszeit und dem Holstein-Warmzeit kam die Saale-Eiszeit. Ein Hunderte Meter mächtiger Eisschild schob sich wie eine mächtige Walze über das Land. Das Saale-Eis schob vor rund 150.000 Jahren Gletscherzungen vor sich her. So entstanden in den Eisrandlagen verschiedene Erhebungen in den Niederlanden, darunter der Utrechter Hügelrücken, der Hondsrug wie auch der Rolderrug auf dem Vries und Donderen liegen. Zwischen den Geestrücken entstanden Niederungen, wie die des Grote Masloot und der Drentsche Aa.

Das Saale-Eis bedeckt Europa

Das Eis hinterließ eine dicke Schicht mit Lehm, Sand, Kies und Findlingen, von Geologen Geschiebelehm genannt. Im Geologischen Denkmal erkennt man einen Überrest dieses Geschiebematerials als schmalen Streifen zwischen zwei dicken Sandschichten.

Findlinge

Das Saale-Eis führte nicht nur Geschiebelehm, sondern auch schier unvorstellbare Mengen Findlinge aus Skandinavien mit sich. Am Straßenrand des Nieuwe Rijksweg mitten in Vries liegt ein riesiger Findling, der schätzungsweise 15.000 kg wiegt. Die Findlinge beim geologischen Denkmal kamen bei Baggerarbeiten für die nahegelegene Erdgasleitung zum Vorschein.

Die Menschen haben Findlinge immer gern genutzt. Erst, um Megalithgräber zu errichten, später in Vries z. B. im Mittelalter als Fundament der hiesigen Dorfkirche. Und vor wenigen Jahren markierte der Künstler Derk den Boer mit Findlingen die Fundstelle der Moorleiche „Mädchen von Yde“. Das Landschaftskunstwerk von Derk den Boer trägt den Titel „Gebrochener Kreis“.

Rekonstruktion des Mädchens von Yde

Sand, so weit das Auge reicht

Die letzte Eiszeit war die Weichsel-Eiszeit vor 110.000 bis 10.000 Jahren, welche auf die Eem-Warmzeit folgte. Der Eisschild schaffte es zwar nicht bis in unsere Breitengrade, doch es herrschte Permafrost. Geologen haben ermittelt, dass der Meeresspiegel rund 100 m niedriger lag…

Polwinde jagten den Sand über die endlose Sandebene. Der Sand strich die Unebenheiten, die bei der vorherigen Eiszeit entstanden waren, größtenteils glatt. Die oberste Schicht des Geologischen Denkmals ist dieser Decksand aus der Weichsel-Eiszeit.

Pingoruinen

Durch Spalte im gefrorenen Boden drang in der Weichsel-Eiszeit Grundwasser nach oben, das sogleich gefror. Der Zustrom des Wassers riss nicht ab und so entstand ein Dutzende Meter hoher Eishügel, ein sogenannter Pingoruinen.  Als das Eis schließlich geschmolzen war, hinterließ es eine tiefe Mulde im Boden, in der sich Wasser sammelte und Später entstanden in den meisten dieser Pingoruinen Moorflächen. Am Rundwanderweg liegen die Pingoruinen Holtveen und Ronde Veen.

Blück über das Holtveen

Mensch und Landschaft

Vor 5.000 Jahren ließen sich hier die ersten Bauern nieder und fingen an das Land zu kultivieren. Der Weg führt Sie zu prähistorischen Orten wie De Holten, dem Welterberg und der Fundstelle des Mädchens von Yde.  Schon in der Urgeschichte rodeten die Bauern Teile der Wälder, um Ackerflächen zu erhalten. Auch im Mittelalter wurde so verfahren. Der Name Holtesch erinnert an den Wald, der hier einst war.  Die Bauern erschlossen die Niederung, um ihr Vieh weiden zu lassen und Heu zu ernten. Die Schafe auf den Heidefeldern ließen abends ihren Dung im Schafstall ab. Bis ins vorige Jahrhundert spielte der Welterberg zu Ostern eine große Rolle.

Eschdorf Vries

Im frühen Mittelalter begann die Entwicklung des Eschdorfs am heutigen Standort. Bis zum heutigen Tag ist der Brink (oder Anger) der Mittelpunkt des Dorfs.  Am Brink steht die im 12. Jahrhundert erbaute Bonifatius-Kirche, eine der ältesten Kirchen Drenthes. Es wird erzählt, dass der Missionar Willehad  775 die Menschen in Drenthe zum Christentum bekehrte und hier die erste Holzkirche Drenthes errichten ließ. Besuchen Sie auch das kleine Museum im Keller der Kirche, in dem unter anderem die alte Turmuhr zu finden ist.

Bodenkundlicher Wanderweg durch Vries und Umgebung

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